Klöckner: Essen ist politisch geworden

Nach Auffassung von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat die Ernährung eine immer größer werdende politische Dimension. In ihrer Eröffnungsrede auf der Allgemeinen Nahrungs- und Genussmittelausstellung (Anuga) am Samstag in Köln unterstrich die CDU-Politikerin, dass es hierzulande zwar keinen Nahrungsmangel gebe, Deutschland aber dennoch vor gewaltigen Herausforderungen stehe. Die Bedeutung des Konsums werde immer wichtiger.
Gerade die Jüngeren verstünden sich als "politicised eaters". Ihre Ernährung sei vielfach Ausdruck der eigenen, auch politischen Identität. Jüngere Erwachsene achteten im Vergleich zur Gesamtbevölkerung noch stärker auf die Aspekte "weniger Fleisch", "Biolebensmittel", "High-Protein" oder "Superfood". In der Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen ernähren sich laut Klöckner 10,3 % vegetarisch, 2 % vegan und 23,8% flexitarisch. Als Hauptgründe würden der Klimaschutz und die Vermeidung von Tierleid genannt, so die Ministerin. Gleichwohl sollte allen bewusst sein, dass es den Menschen hierzulande gut gehe und sich niemand fragen müsse, ob er Nahrungsmittel bekomme, sondern nur welche. Die Anuga mit ihren "unzähligen Neuheiten" wertete Klöckner als Beleg dafür.

Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser dankte in ihrer Eröffnungsrede der Land- und Ernährungswirtschaft für eine sichere Versorgung mit Lebensmitteln auch in Pandemie-Zeiten. "Wir haben in den vergangenen Monaten erlebt, wie wichtig die Land- und Ernährungswirtschaft im eigenen Land ist und wie handlungsfähig und leistungsstark sie ist", so Heinen-Esser. Aus ihrer Sicht haben die Pandemie und die damit verbundene gesellschaftliche Entwicklung aufgezeigt, wo Herausforderungen bestehen, wo die Branche sich bewegen muss und wo Unterstützung erforderlich ist. Der Klimawandel und die fortschreitende Digitalisierung erforderten neue Strategien und Lösungen. Nachhaltige und regionale Produkte, aber auch umweltgerechte Verpackungen, lägen im Trend.

Derweil stellte die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) zum Auftakt der Anuga eine Studie vor, derzufolge Nachhaltigkeit längst ein wesentlicher Treiber für Qualität und Innovation und damit ein wichtiger Faktor für mehr Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Unternehmen ist. Laut der Studie hat etwa die Produktion pflanzenbasierter Fleischalternativen 2020 gegenüber dem Vorjahr um 39 % auf mehr als 80 000 t zugenommen. Das entspreche einem Produktionswert von 375 Mio Euro. Neben dem reinen Mengenwachstum sei die Vielfalt solcher Produkte gestiegen, berichtete die BVE. So habe zwischen 2017 und 2020 die Anzahl der Produktneuheiten im Bereich Fleischersatz hierzulande jährlich um rund 8 % zugelegt.

Noch bis Mittwoch trifft sich die internationale Lebensmittel- und Getränkebranche auf der Anuga in Köln. Laut Angaben der Koelnmesse GmbH setzt die "weltgrößte Fachmesse der Ernährungswirtschaft" zudem digital neue Maßstäbe und bringt bis Mittwoch Fachleute auf der neuen digitalen Plattform Anuga @home zusammen. Unter dem Leitthema "Transform" präsentieren sich an den Messetagen mehr als 4 600 Aussteller aus 97 Ländern in zehn Fachmessen ihre Produktvielfalt. AgE


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