WWF zieht "durchwachsene Jahresbilanz" zur Strategie

Eine "durchwachsene Jahresbilanz" hat der World Wide Fund For Nature (WWF) zur Nationalen Strategie gegen Lebensmittelverschwendung gezogen, die Ende Februar 2019 vom Bundeskabinett beschlossen worden war. Zwar seien die Strukturen geschaffen, auf deren Basis nun konkrete Arbeiten aufgenommen werden könnten, erklärte die Umweltschutzorganisation heute in Berlin. Es sei aber nicht absehbar, ob die Ziele erreicht würden. Im jetzt laufenden Jahr werde sich zeigen, wie hoch die Bereitschaft der Wirtschaft sei, zur Zielerreichung und damit zur Umsetzung der Strategie beizutragen.

Besonderes Augenmerk richtet der WWF auf die als "Dialogforen" bezeichneten Arbeitsgruppen, in denen entlang der Lebensmittelversorgungskette in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft Branchenvereinbarungen mit Reduktionszielen und konkreten Maßnahmen zur Verringerung der Lebensmittelabfälle erarbeitet werden sollen. Das Format der "Dialogforen" könne nur dann ein Erfolg werden, wenn "ausreichend ambitionierte und konkrete Branchenvereinbarungen beschlossen werden und eine ausreichend kritische Masse an Unternehmen die Branchenvereinbarung unterstützt und umsetzt".

Nachbesserungsbedarf macht der WWF bei der Datengrundlage zur Strategie aus. Die als Messgröße zur Zielerreichung dienende Gesamtbilanz des Aufkommens von Lebensmittelabfällen beruhe auf lückenhaften Daten und Abschätzungen. Beispielsweise gingen die Zahlen zum Handel auf eine branchenfinanzierte Studie aus dem Jahr 2011 zurück, die lediglich ergänzt worden sei um die Abfallbilanzen von nur 77 Filialen eines Lebensmitteleinzelhändlers, berichtete die Organisation. Dabei unterhalte allein Lidl derzeit deutschlandweit 3 200 Geschäfte. Handel, Außer-Haus-Verpflegung und Industrie seien gefordert, zügig zu einer besseren Datengrundlage beizutragen.

Als Richtschnur für das freiwillige Engagement in Deutschland verwies der WWF aufdas Vorgehen in Großbritannien. Dort wolle man bis 2025 die Lebensmittelverschwendung um ein Fünftel senken. Mittlerweile hätten sich mehr als 120 der größten Unternehmen Reduktionsziele gesetzt. Sie verstünden Transparenz und Engagement im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung als Chance und Mittel zur Positionierung im Wettbewerb.

Schließlich betonte der WWF, dass Deutschland nicht viel Zeit bleibe, die Wirksamkeit der Strategie nachzuweisen. Schließlich behalte sich die Europäische Union nach der Sichtung der Berichte der Mitgliedstaaten vor, bei nicht ausreichenden Ergebnissen im Jahr 2023 einen Gesetzgebungsvorschlag für unionsweit geltende Zielvorgaben auf den Weg zu bringen. AgE


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