Brexit: Milchindustrie warnt nach Unterhaus-Votum vor "enormen Schaden"

Nachdem der Ausstiegsvertrag, den die britische Premierministerin Theresa May mit der EU ausgehandelt hatte, gestern im Unterhaus mit klarer Merhheit abgelehnt worden ist, befürchtet der Milchindustrie-Verband (MIV), dass ein nun wahrscheinlicher gewordener "harter Brexit" der europäischen Milchwirtschaft "enormen Schaden" zufügen wird. MIV-Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser rief heute deshalb die Vertreter der EU und des Vereinigten Königreichs zu "größtmöglicher Toleranz und Lösungswillen bei allen weiteren kurzfristig zu vereinbarenden Gesprächsversuchen" auf, um den Schaden aus dem Brexit-Verfahren noch abzumildern.

Laut Heuser steht viel auf dem Spiel: Das Vereinigte Königreich ist ihm zufolge ein großer Nettoimporteur bei Milch und Milcherzeugnissen und kauft insbesondere in der Republik Irland viele Milchprodukte ein. Wenn Großbritannien nun bei einem "harten Brexit" Drittlandszölle gegenüber EU-Ware erhebe, müssten die Produktpreise deutlich angehoben werden. Der Handel drohe dadurch zum Erliegen zu kommen, warnte der MIV-Hauptgeschäftsführer. Er weist zusätzlich darauf hin, dass die veränderten Vermarktungsströme weitere Marktverwerfungen mit sich bringen könnten. Auch drohten in Nordirland Rohmilchüberschüsse, die bisher im Süden der Republik Irland verarbeitet werden.
Im administrativen Teil des Verfahrens drohen nach Darstellung des Milchindustrie-Verbandes nicht nur hohe Drittlandszölle. Hinzu kämen Zollkontrollen mit einem hohen Zeitaufwand an der Grenze. Dazu würden die beiden Ex-Partner EU und Großbritannien sich im Austausch von Gütern und Dienstleistungen zunächst wie Drittländer behandeln und auch wieder Veterinärkontrollen einführen. Ein "harter Brexit" und die daraus resultierenden Handelsverwerfungen dürften daher kaum auszurechnende negative Folgen für die europäische Milchwirtschaft nach sich ziehen, so der MIV. AgE


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